„Die Erste – aber nicht die Letzte“

Wie Frauen in der Baubranche ihren Weg finden – und warum Katharina Blucks Geschichte Mut macht

Ein Gespräch mit Katharina Bluck, Produktionsleiterin bei URETEK
Interview von Competentia MEO – Marie Herrmann & Rebecca Streckert

Ein Weg, der anders begann als erwartet

Eigentlich wollte Katharina Bluck Lehrerin werden. Doch ein paar Berufswahltests führten sie überraschend in die Geowissenschaften – einen Studiengang, den sie zunächst kaum kannte, der sich aber schon nach zwei Wochen genau richtig anfühlte. Das Studium war familiär geprägt, stark von Frauen getragen und von Professor*innen unterstützend begleitet.

Der Übergang in die Praxis fiel umso härter aus: Tunnelbau, Bergbau, die Planung radioaktiver Endlager – alles Bereiche, in denen sie als junge Frau auffiel, lange bevor ihre Kompetenz sichtbar wurde. Kommentare wie „Häschen“ gehörten zum Alltag. „Ich wurde nicht ernst genommen“, erinnert sie sich.

Statt diese Erfahrungen still hinzunehmen, suchte Bluck das Gespräch mit ihrem damaligen Chef. Sie erzählte ihm von der „He for She“-Kampagne und erklärte, wie wichtig Unterstützung in diesen Momenten ist. „Wenn ich etwas sagte, war ich sofort die‚ zickige Frau‘. Also habe ich gesagt: Ich brauche deine Unterstützung.“ Sein offenes Ohr veränderte viel: Kollegen begannen einzuschreiten, Führungskräfte übernahmen Verantwortung, der Umgangston veränderte sich. Für Bluck wurde deutlich: Veränderung entsteht dort, wo Menschen füreinander einstehen.

Wie Unterstützung Türen öffnet – und Führung Kultur verändert

Dass Frauen in der Geotechnik selten in Leitungsfunktionen landen, hält sie nicht für ein Kompetenz-, sondern ein Sichtbarkeitsthema. „Hans fördert Peter – und nicht Barbara. Ohne aktive Förderung rutschen Frauen nicht in Leitungsfunktionen.“ Ein früherer Arbeitgeber ging bewusst einen anderen Weg – und Bluck entwickelte sich zur Teamleiterin. Heute leitet sie bei URETEK die ausführenden Teams und die deutschlandweite Disposition.

Als sie Anfang 2023 zu URETEK kam, traf sie auf ein reines Männerteam. Die erste Begegnung verlief denkbar unglücklich: Wegen eines Fotoshootings war sie stark geschminkt, was bei den Männern eher für Gelächter und Irritation sorgte. Doch Bluck baute Vertrauen über Kompetenz auf – und über echte Verbesserungen im Arbeitsalltag. „Als meine Kollegen gemerkt haben, dass ich ihre Situation verbessern will, war das Eis gebrochen.“

Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie – gerade in der Montage, wo Flexibilität traditionell kaum vorgesehen ist. „Früher konnten Monteure nicht mal am 18. Geburtstag ihres Kindes zu Hause sein oder bei einem Unfall der Partnerin unterstützen. Heute geht das.“ Solche Veränderungen zeigen, wie stark Führungskultur wirkt, wenn sie Lebensrealitäten mitdenkt.

Ob auf Tagungen oder über LinkedIn – viele junge Frauen suchen den Austausch mit ihr. „Ganz viele rufen mich vor Gehaltsverhandlungen an. Niemand spricht darüber – also tue ich es.“ Sie spricht offen über, Karrierewege und Weiterbildung – ein Schritt, der vielen Mut macht und Barrieren abbaut.

Wie subtil Netzwerke wirken, zeigt ein Erlebnis, das ihr besonders im Gedächtnis blieb: „Es gab in meinem früheren Unternehmen eine Fußballmannschaft – und ich durfte nicht rein. Ich bin zum Chef gegangen und habe gesagt: Das finde ich komisch. Danach war ich die erste Frau im Team.“ Sport als Netzwerk – das unterschätzen viele. Wer nicht dabei ist, steht oft am Rand von Beziehungen und informellen Entscheidungen.

Die Erste sein – und den Weg breiter machen

Bluck verschweigt nicht, dass es Momente gab, in denen die Rolle der „Ersten“ schwer wog. „Warum muss ich immer die Erste sein?“, habe sie sich gefragt. „Es kostet Kraft.“ Aus diesen Erfahrungen hat sie jedoch eine klare Haltung entwickelt: Niemand sollte diesen Weg allein gehen müssen. Für sie ist Veränderung erst dann echt, wenn Frauen andere Frauen bewusst mitnehmen und Männer bereit sind, Verantwortung zu teilen. „Es reicht nicht, die einzige Frau im Raum zu sein“, sagt sie.

Kraft gibt ihr ein Gedanke, der sie durch viele Situationen getragen hat: „Frag dich: Was würde ein Mann jetzt machen? Die Antwort ist meistens: Er würde es einfach tun.“

Katharina Blucks Weg zeigt eindrücklich, wie viel sich verändern lässt, wenn Menschen Haltung zeigen, Unterstützung annehmen und selbst zur Unterstützung für andere werden. Ihr Beispiel macht deutlich, dass Frauen in der Bau- und Geotechnikbranche nicht die Ausnahme sein sollen, sondern ein selbstverständlicher Teil einer modernen und vielfältigen Arbeitswelt.

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Imelda Alfred

Team- & Projektassistentin