Lebensphasenorientierte Unternehmensführung im Mittelstand: Das Arbeitszeitmodell von SUPYOU
Verena Rustemeyer und Chris Schulz gründeten 2023 die „SUPYOU Consulting GmbH“ in Essen-Rüttenscheid, um Unternehmen in Veränderungsprozessen zu begleiten. Beide Gründer:innen wissen aus eigener Erfahrung, wie entscheidend persönliche Weiterentwicklung und das Verlassen der Komfortzone für ein erfülltes und wirksames Arbeiten sind. Gemeinsam mit ihrem fünfköpfigen Team unterstützt SUPYOU Unternehmen dabei, eine gesunde, moderne Arbeitskultur aufzubauen. In Organisationsentwicklung, Change-Management und Coaching entwickeln die Expert:innen klare Optionen für nachhaltiges Wachstum.
Competentia MEO: Verena, was steht bei Euch in Veränderungsprozessen aktuell im Fokus?
Verena Rustemeyer: Erstens stellen die tiefgreifenden Veränderungen durch Künstliche Intelligenz die Unternehmen vor erhebliche technologische und kulturelle Herausforderungen.
Zweitens betrachten wir die mentale Gesundheit der Mitarbeitenden als zentrale Voraussetzung für Leistungsfähigkeit und nachhaltigen Erfolg. Unternehmen verschenken wertvolles Potenzial, wenn sie hierfür keine geeigneten Rahmenbedingungen schaffen – sichtbar wird dies unter anderem in erhöhten Fehlzeiten und Fluktuation.
Drittens sind wir überzeugt, dass Organisationen wirksamer werden, wenn sie die Stärken ihrer Mitarbeitenden gezielt fördern, statt primär an Defiziten zu arbeiten. Auf dieser Grundlage begleiten wir Führungskräfte und Teams durch fundiertes Coaching und klassische Transformationsprozesse.
Competentia MEO: Was für Unternehmen beratet Ihr?
Verena Rustemeyer: Größtenteils den Mittelstand. Insgesamt reicht das Spektrum von kleinen Firmen bis hin zu Konzernen. Die Branchen sind unter anderem Energie, Gesundheit und produzierendes Gewerbe.
Competentia MEO: Obwohl Ihr ein kleines Team seid, legt Ihr Wert darauf, die Arbeitszeiten so zu gestalten, wie sie ideal für Eure Mitarbeitenden sind, und wollt damit eine lebensphasenorientierte Unternehmenskultur schaffen. Wie gestaltet ihr die Arbeitszeiten?
Verena Rustemeyer: Unser Team ist vergleichsweise jung und umfasst Mitarbeitende im Alter zwischen 24 und 43 Jahren. Derzeit hat niemand im Team Kinder oder pflegebedürftige Angehörige. Bei zwei Mitarbeiterinnen steht parallel das Studium im Vordergrund, bei einer weiteren eine zusätzliche Beschäftigung; alle drei arbeiten in Teilzeit. Lediglich Chris und ich sind in Vollzeit an fünf Tagen pro Woche tätig.
Competentia MEO: Welche Teilzeitmodelle gibt es und wie plant Ihr?
Verena Rustemeyer: Eine unserer Beraterinnen arbeitet in einem festen Teilzeitmodell mit vier Tagen pro Woche. Abweichende Einsatztage, die sich aus einer weiteren Tätigkeit ergeben, sind langfristig planbar und ermöglichen eine verlässliche Einsatzplanung für Kundentermine, auch über mehrere Monate im Voraus. Eine weitere Mitarbeiterin befindet sich aktuell in einer intensiveren Studienphase und arbeitet ebenfalls in Teilzeit. Anpassungen ihrer Arbeitszeiten besprechen wir regelmäßig und stimmen sie mit den Anforderungen im Team ab.Unsere Werkstudentin ist mit 20 Wochenstunden tätig. Grundsätzlich haben alle Mitarbeitenden in Teilzeitmodellen die Möglichkeit, ihre Arbeitszeiten innerhalb definierter Rahmen flexibel zu gestalten. Bei akademischen Verpflichtungen oder anderen terminlichen Anforderungen reagieren wir entsprechend flexibel. Auch die zeitlich versetzte Erledigung einzelner Aufgaben – beispielsweise in den Abendstunden – ist möglich, sofern es mit den Projektanforderungen vereinbar ist.
Competentia MEO: Wie setzt ihr diese Planung um?
Verena Rustemeyer: Wir pflegen einen kontinuierlichen Austausch und eine transparente Kommunikationskultur. Einmal wöchentlich, jeweils dienstags, findet ein Teammeeting mit allen Mitarbeitenden in Präsenz statt, in dem zentrale Themen abgestimmt werden; weitere Abstimmungen erfolgen bei Bedarf im laufenden Arbeitsalltag. Der organisatorische Aufwand hierfür liegt bei weniger als einer Stunde pro Woche.
Grundsätzlich legen wir Wert auf eine ausgewogene Arbeitsbelastung. Regelmäßige Arbeit in den späten Abendstunden oder am Wochenende ist nicht vorgesehen. Bei wahrgenommener Überlastung besteht die Möglichkeit, kurzfristig einen freien Tag einzulegen. Gleichzeitig verfügen die Mitarbeitenden über ein hohes Maß an Selbstbestimmung bei der Gestaltung ihrer Arbeitsweise und -zeiten, sofern dies mit den Anforderungen der Projekte vereinbar ist.



Fotos: © Patrick Borucki
Competentia MEO: Wie gleicht Ihr zum Beispiel freie Tage wieder aus?
Verena Rustemeyer: Jeder im Team ist verantwortlich dafür, seine Arbeit zu erledigen und dass es läuft. Wenn er verhindert ist oder zu viel auf dem Tisch hat, ist die Aufgabe, eigenständig zu regeln, wer das übernehmen kann. Selbstbestimmung ist uns sehr wichtig. Es ist ein immer noch verbreiteter Irrglaube, dass Anwesenheit gleich Arbeitszeit ist: Ich kann auch im Büro unproduktiv sein.
Competentia MEO: Inwieweit ist diese Arbeitszeitgestaltung ein Pluspunkt für Euch als Arbeitgebende?
Verena Rustemeyer: Über die eigene Arbeitszeit – in Absprache mit uns – entscheiden zu können, motiviert die Mitarbeitenden. Wir profitieren davon, dass alle auf ihre Gesundheit und Belastbarkeit achten. Dies bildet die Grundlage für ein nachhaltig wirksames Arbeiten.
Competentia MEO: Denkt ihr, dass diese Art der Arbeitszeitgestaltung ein Alleinstellungsmerkmal ist?
Verena Rustemeyer: In gewissem Umfang ja. Auf vielen Führungsebenen bestehen weiterhin deutliche Vorbehalte und Sorgen, insbesondere in Bezug auf einen vermeintlichen Kontrollverlust – etwa im Zusammenhang mit Homeoffice-Regelungen. Diese Unsicherheiten prägen nach wie vor zahlreiche Entscheidungen und erschweren oftmals die Einführung moderner, vertrauensbasierter Arbeitsformen.
Competentia MEO: Ihr seid ein kleines und flexibles Team. Lässt sich Eure Art der Arbeitszeitgestaltung auf größere Unternehmen übertragen?
Verena Rustemeyer: Grundsätzlich lässt sich ein solches Arbeitszeitmodell auch in größeren Organisationen umsetzen. Entscheidend sind klare Strukturen und eine Führungsebene, die diese aktiv gestaltet und trägt. In Bereichen mit stark standardisierten Abläufen – etwa im produzierenden Gewerbe – entwickeln wir gemeinsam mit den Unternehmen passgenaue Lösungen, die den jeweiligen Rahmenbedingungen gerecht werden.
Zentral ist dabei die Haltung aller Beteiligten. Führungskräfte wie Mitarbeitende benötigen ein Verständnis dafür, dass individuelle Beiträge bedeutsam sind und Wertschätzung erfahren. In Organisationen, in denen noch das veraltete Verständnis vorherrscht, die eigene Anwesenheit sei letztlich unerheblich, gilt es, diese Perspektive zu verändern und ein Bewusstsein für Sinn, Relevanz und Verantwortung zu fördern.
Competentia MEO: Seht Ihr Eure eigene Unternehmenskultur als Vorbild für die Unternehmen, die Ihr beratet?
Verena Rustemeyer: Ja. Die Prinzipien, die wir in unserer eigenen Organisation umsetzen, bilden auch die Grundlage unserer Arbeit mit Kund:innen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach den tatsächlichen Bedürfnissen der Mitarbeitenden. Während in früheren Berufsjahren häufig die reine Präsenz oder lange Arbeitszeiten als Leistungsindikator galten, hat sich das Verständnis von guter Arbeit deutlich weiterentwickelt. Jüngere Generationen achten stärker auf ihre eigenen Ressourcen – und diese Entwicklung betrachten wir als wertvollen Impuls für eine moderne, nachhaltige Arbeitskultur.
Competentia MEO: Vielen Dank für das inspirierende Gespräch, Verena!
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