Mit Leidenschaft und Verantwortung: Bücherträume als Familienprojekt
Ein Riesenerfolg für Nora Leringer (30) und ihre Mutter Petra Büse-Leringer, die Geschäftsführerinnen der Mülheimer Buchhandlung „Bücherträume“: Sie haben den Mülheimer Wirtschaftspreis 2025 für soziales Engagement gegen starke Konkurrenz gewonnen. Ihr kleines Familienunternehmen leiten sie mit Leidenschaft und enormem Einsatz. Die „Bücherträume“ haben sich auch als beliebter Ort der Begegnung etabliert, der großenteils auf dem ehrenamtlichen Engagement des Teams und der Kundschaft beruht.
Competentia MEO: Frau Leringer, welche Bedeutung hat die Auszeichnung mit dem Mülheimer Wirtschaftspreis für Sie und Ihr Unternehmen, das eins von insgesamt drei inhabergeführten Buchhandlungen in Mülheim ist?
Nora Leringer: Das ist eine große Wertschätzung unserer Arbeit und eine wahnsinnige Anerkennung. Schließlich standen auch große Mülheimer Unternehmen zur Auswahl. Wir sind die ersten Siegerinnen, seit es diesen Preis gibt, die besuchbar sind: In unsere 2011 gegründete Buchhandlung können Menschen kommen, und der Preis hat uns eine hohe Aufmerksamkeit beschert. Wir hätten das aber nicht ohne unsere Kundschaft erreicht, die uns ehrenamtlich vielfältig unterstützt.
Competentia MEO: Wie ist die Aufgabenverteilung in der Buchhandlung zwischen Ihnen und Ihrer Mutter?
Nora Leringer: Ihr und mir gehören die Buchhandlung zu je 50 Prozent. Meine Mutter ist seit über 40 Jahren Buchhändlerin und hat die Bücherträume vor 15 Jahren mit einer Kollegin eröffnet, die dann nach zehn Jahren in Rente ging. Ich habe auch während meines Studiums unterstützt und es ergab sich so, dass ich im Jahr 2022 als zweite Geschäftsführerin eingestiegen bin. Das hatte ich früher gar nicht vor. Wir ergänzen uns sehr gut. Meine Mutter steht vorne im Laden, und ich kümmere mich um unsere Veranstaltungen, Social Media und das Personal.
Competentia MEO: Sehen Sie sich selbst als Vorbild für andere (junge) Frauen, die eine Selbständigkeit in Betracht ziehen?
Nora Leringer: Vorbild ist ein großes Wort, aber ja, ich sehe mich so. Als Geschäftsführerin trage ich sehr viel Verantwortung, für das Personal, wirtschaftlich und stehe dabei als Vorbild in der Öffentlichkeit.
Competentia MEO: Wie lauten Ihre Ratschläge für gründungswillige Frauen?
Nora Leringer: Junge Frauen, die eine Selbständigkeit erwägen, sollten sich der großen Verantwortung als Chefin bewusst sein und es ausprobieren. Sollten sie feststellen, dass ein eigenes Unternehmen nichts für sie ist, können sie sich immer noch anders entscheiden. Für mich als Selbstständige ist es wichtig, Menschen um mich zu haben, die einen unterstützen, den Rücken stärken und da sind, wenn es mal schwierig ist. Denn das kommt auch vor.
Competentia MEO: Haben Sie dafür ein professionelles Netzwerk?
Nora Leringer: Nein, das ist überhaupt nicht meins, und ich habe gelernt, dass das so okay ist. Aber ich netzwerke intensiv mit vielen Frauen. Mein Netzwerk ist eher zufällig entstanden. Es ist ein ausgewogenes Geben und Nehmen. Ich unterstütze zum Beispiel andere im Bereich Social Media. Bei Netzwerktreffen und im Unternehmertum trifft man heute noch auf weiße alte Männer, hier brauchen wir dringend frischen Wind, um professionelles Netzwerken möglich zu machen.
Competentia MEO: Wie viele Mitarbeitende beschäftigen Sie insgesamt?
Nora Leringer: Meine Mutter und ich arbeiten in Vollzeit, sowie auch ein Kollege. Eine weitere Mitarbeiterin arbeitet in Teilzeit und wir beschäftigen noch zwei Aushilfen.
Competentia MEO: Inwieweit bieten Sie flexible Arbeitszeiten und weitere Möglichkeiten für eine gute Vereinbarung von Berufs- und Privatleben an? Ist das in einem so kleinen Team machbar?
Nora Leringer: Wir haben sehr flexible Arbeitszeiten, natürlich im Rahmen unserer Öffnungszeiten. Möchte jemand einen Termin wahrnehmen oder einen Tag frei haben, ermöglichen wir das. Horrende Gehälter können wir aufgrund der Buchpreisbindung nicht zahlen – unsere Einflussnahme ist hier sehr eingeschränkt. Aber wir haben eine sehr familiäre Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen. Das Team macht auch zusammen Yoga. So schaut immer wieder jemand aus der Familie vorbei und mein Neffe kommt manchmal nach der Kita zu uns und möchte ein Buch vorgelesen bekommen. So ist das im Familienunternehmen!
Competentia MEO: Ihre Buchhandlung führt viele Projekte und Veranstaltungen durch. Stehen Frauen dabei auch im Fokus?
Nora Leringer: Ja, viele unserer Veranstaltungen werden von Frauen geleitet. Dabei sind sie zum Beispiel als Referentinnen, Autorinnen oder Workshop-Leiterinnen im Einsatz. Wer dann schlussendlich zur Veranstaltung kommt, ist jedoch Zufall. Das entscheiden unsere Kundinnen und Kunden für sich. Wir führen viele Workshops durch, etwa zum Thema Frauengesundheit und kreativem Schaffen – ganz bewusst, damit Frauen sich mal Zeit für sich selbst nehmen.
Wir unterstützen mit verschiedenen Aktionen auch das Mülheimer Frauenhaus, dabei können wir auch immer auf die Unterstützung unserer Kundschaft zählen, die uns dieses Ehrenamt ermöglicht und sich daran beteiligt. Hier machen wir uns stark für Frauen, die Unterstützung brauchen.
Competentia MEO: Was stellen Sie außerdem ehrenamtlich auf die Beine?
Nora Leringer: Sehr wichtig ist uns die Leseförderung in Kooperation mit Mülheimer Kindergärten und Schulen. Wir stellen fest, dass mache Kinder kein einziges Buch besitzen – außer dem, das wir ihnen am Welttag des Buches schenken. Wir wollen ihnen über verschiedene Wege das Lesen näherbringen. Für Senioren bieten wir alle zwei Monate ein kostenloses Café an, um der Einsamkeit entgegenzuwirken. Hier spenden Kundinnen und Kunden einen selbstgebackenen Kuchen. Zu Weihnachten gibt es immer eine Kartonnaktion für Menschen in Mülheim, die in Armut leben. Das ist ein kleiner Auszug aus unserer ehrenamtlichen Tätigkeit.
Competentia MEO: Wie ich gelesen habe, fänden Sie für den nächsten Mülheimer Wirtschaftspreis das Leitthema „Frauen in der Wirtschaft“ gut – mit Fokus auf Konzepten, die Frauen sichtbarer machen. Warum liegt Ihnen das am Herzen?
Nora Leringer: Unternehmerinnentum und ehrenamtliches Engagement werden oft nicht gesehen. Wir brauchen auch mehr Vorbilder für junge Mädchen und Frauen. Ich bin sehr selbstständig aufgewachsen, aber nicht jede traut sich eine Karriere oder eine Unternehmensgründung zu. Ich setze mich dafür ein, dass die Leistungen und Kompetenzen von Frauen mehr gewürdigt werden.
Competentia MEO: Ist Ihre Erfahrung, dass es Frauen als Unternehmerinnen bzw. Gründerinnen schwerer haben als Männer?
Nora Leringer: Frauen müssen viel dafür tun, ernst genommen zu werden. Sicherlich müssen auch Männer mal kämpfen, aber wir haben es da leider meist noch immer schwerer. Jedoch ist es schön zu sehen, dass immer mehr weibliche Vorbilder gibt und wir uns in die richtige Richtung bewegen, auch wenn ich mir mehr Geschwindigkeit dabei wünschen würde.
Competentia MEO: Was möchten Sie uns abschließend noch mitgeben?
Nora Leringer: Einen kleinen Apell: Die Menschen sollten bewusst beim lokalen Einzelhandel einkaufen. Immer mehr Einzelhändler müssen schließen, auch viele Buchhandlungen. Intensive persönliche Beratung, eine Wohfühlatmosphäre, ehrenamtliches Engagement und einen Ort der Begegnung im Stadtteil schaffen aber nur wir.
Competentia MEO: Vielen Dank für das spannende Gespräch, Frau Leringer, und alles Gute für die Bücherträume!
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